Übergewicht und Adipositas bei Cystischer Fibrose

Übergewicht und Adipositas bei Cystischer Fibrose

 

Übergewicht und Adipositas bei Cystischer Fibrose

 

Trotz guter Erfolge in den letzten Jahrzehnten gibt es Patientinnen und Patienten, die einen zu niedrigen BMI und somit ein schlechteres klinisches Outcome aufweisen. Nun nimmt der Trend von Übergewicht und Adipositas in der CF-Population in den letzten Jahren auch zu und Diätologen und Diätologinnen, wie unsere Expertin Stefanie Winkler BSC, IBCLC, stehen vor „neuen“ Aufgaben. Gemeinsam mit Frau Winkler klären wir auf.


 

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Das Zusammenspiel zwischen Ernährung und Lungenfunktion

Der Ernährungsstatus in der frühen Kindheit kann entscheidend sein für die spätere Lungenfunktion: Je besser der Ernährungsstatus und das Erreichen des CF-Zielgewichtes, desto wahrscheinlicher ist eine gute Lungenfunktion und Lebenserwartung. Das Erreichen der 50. Perzentile bereits im frühen Kindesalter sowie ein Body-Mass-Index (BMI) von 22 bei Frauen und 23 bei Männern ist international das Ziel, um eine gute Lungenfunktion zu erreichen bzw. zu stabilisieren.

 

Neue Herausforderungen: Übergewicht, Adipositas und CFTR-Modulatoren 

 

Statistische Daten belegen, dass Erwachsene häufiger von Übergewicht und Adipositas betroffen sind als Jüngere. Risikofaktoren für die Entstehung von Übergewicht und Adipositas sind schwere CFTR-Mutationen, Pankreasinsuffizienz und das männliche Geschlecht. Auch Patientinnen und Patienten unter CFTR-Modulatortherapie, insbesondere mit hocheffizienten Modulatoren, nehmen bei gleichen Ernährungsgewohnheiten häufig leichter und somit stärker an Körpergewicht zu. Patientinnen und Patienten beschreiben ein verändertes Appetitgefühl, mitunter durch veränderten Geruchs- und Geschmackssinn und daraus resultierender leichterer Nahrungszufuhr. Auch eine geringere Atemarbeit, weniger gastrointestinale Symptome und eine verbesserte Fettabsorption erleichtern die Gewichtszunahme zusätzlich. 

Teller das auf einer Tischdecke liegt

Leitlinien zur Behandlung von Übergewicht und Adipositas

 

Bezüglich der Empfehlung und Behandlung von übergewichtigen und adipösen CF-Patientinnen und -Patienten stehen Diätologinnen und Diätologen spezifische Leitlinien, wenn auch wenige, zur Verfügung. Eine Ernährungsumstellung, Steigerung der körperlichen Aktivität sowie eine zielgerichtete Ernährungsberatung wird als notwendige Ernährungsintervention in den Leitlinien beschrieben. 

Vor einer Ernährungsintervention wird jedoch der Ernährungszustand engmaschig erhoben und entsprechend klassifiziert, um den diätetischen Handlungsbedarf daraus abzuleiten und die Ernährungstherapie planen zu können. Dafür eignen sich neben den CDC- und WHO-Wachstumskurven die Australischen und Neuseeländischen Leitlinien von 2019 (siehe Abbildung).

 

 

Criteria for the classification of height, weight and BMI Status and recommendations for interventions in Cystic Fibrosis

 

 

Tabelle BMI Status
 

 

Aus diesen Leitlinien geht hervor, dass Kinder und Jugendliche im Alter von 2 bis 18 Lebensjahren bereits ein erhöhtes Risiko für die Entstehung von Übergewicht und Adipositas aufweisen, wenn sie unkontrolliert an BMI größer gleich zwei BMI-Wachstumskurven zunehmen, unabhängig von der Ausgangskurve. Erwachsene, welche unkontrolliert fünf Kilogramm Körpergewicht innerhalb eines Jahres zunehmen, erfordern ebenfalls diätologischen Behandlungsbedarf, unabhängig vom Ausgangsgewicht. 

 

Bewusstseinswandel in der Ernährungstherapie 
 

Was also tun, wenn das Gewicht über das Zielgewicht hinausgeht? Ein Bewusstseinswandel in der Ernährungstherapie wird notwendig. Diätologinnen und Diätologen stehen in der CF-Behandlung vor einem Paradigmenwechsel. Die klassische CF-Ernährungsempfehlung – hochkalorisch und fettreich – kann nicht mehr pauschal empfohlen werden. Die individualisierte Ernährungstherapie und die Qualität der Ernährung rücken immer mehr in den Fokus. Hinsichtlich der Kalorien- und Nährstoffzufuhr sollten individuelle Ernährungsziele abhängig vom Gedeihen und BMI definiert werden. Auch sollte der Einsatz von CFTR-Modulatoren bereits bei Beginn der Therapie in der Ernährungstherapie mitberücksichtigt werden. Ein regelmäßiges ernährungsmedizinisches Monitoring ist dabei notwendig, um Übergewicht und Adipositas rechtzeitig erkennen und vorbeugen zu können. 

 

Tipps von Diätologinnen und Diätologen 

 

Vor der Ernährungsumstellung empfiehlt Frau Winkler die Führung eines Ernährungsprotokolls, welches für die Auswertung und Interpretation der Nahrungsmenge und -qualität sehr hilfreich ist. Durch den Stopp der hochkalorischen Ernährung kann dann eine rasche und zu starke Gewichtszunahme rechtzeitig erkannt und einer weiteren Zunahme vorgebeugt werden sowie ein CF-adäquater Ernährungszustand erreicht werden. 
 

Frau die in der Küche steht und Gemüse schneidet

Bei vorliegendem Übergewicht oder Adipositas sollte eine moderate Gewichtsabnahme angestrebt werden, da eine zu schnelle Gewichtsabnahme zu einem Abfall der Lungenfunktion und einem Verlust der Muskelmasse führen kann. Untersuchungen der Körperzusammensetzung sind an dieser Stelle hilfreich, um die Entwicklung der Fett- und Muskelmasse im Verlauf evaluieren zu können.  Der Austausch im multiprofessionellen Team hilft Diätologinnen und Diätologen enorm. Da für eine erfolgreiche Adipositasbehandlung auch die Steigerung der körperlichen Aktivität und eine Verhaltensmodifikation mitberücksichtigt werden müssen. 

 

10 Tipps für die gesamte Familie zum Thema gesund essen und trinken ohne Verbote

 

  1. Essen Sie verschiedene Lebensmittel. Durch eine vielfältige Auswahl erhalten Sie von allen Stoffen genug! 
  2. Essen Sie 3 Mal Gemüse und 2 Mal Obst am Tag. Gemüse und Obst sind gesund! 
  3. Vollkornprodukte wie Vollkornbrot oder Vollkornnudeln machen lange satt und unterstützen die Verdauung. 
  4. Essen Sie jeden Tag Milchprodukte. Fisch und Fleisch brauchen wir nicht jeden Tag. Nur 1 bis 2 Mal in der Woche. Milchprodukte sind wertvolle Eiweiß- und Calciumlieferanten. 
  5. Pflanzliche Fette sind gesünder. Wechseln Sie pflanzliche Öle ab, dann bekommen Sie genug essenzielle Fettsäuren. 
  6. Essen Sie wenig Zucker. Einmal am Tag eine Hand voll naschen ist erlaubt. 
  7. Trinken Sie mind. 1,5 Liter am Tag. 
  8. Kochen Sie das Essen schonend. Damit die Vitamine nicht verloren gehen. 
  9. Nehmen Sie sich Zeit zum Essen: langsam und ohne Ablenkung. 
  10. Bewegen Sie sich viel. Und möglichst an der frischen Luft.

 

 

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